Personen A-Z

Otto Ambros - Vorstand der IG Farbenindustrie AG, Kriegsverbrecher
* 19. Mai 1901 in Weiden in der Oberpfalz, † 23. Juli 1990 in St. Georgen im Schwarzwald, katholisch, verheiratet, zwei Kinder.
1920 Abitur; Chemiestudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München [4]; 1925 Promotion mit Thema aus der Fermentchemie bei Nobelpreisträger Richard Wilstätter.
Aufstieg im Konzern der IG Farben: 1. April 1926 Beginn der Berufstätigkeit im Biolabor des Werkes Oppau mit biochemischen Studien der Ferment- und Vitamin-Forschung und der Chemie des Kautschuks und der Harze; 1930 einjähriger Auslandsaufenthalt in Sumatra, Malakka und Ceylon zum Studium der Erzeugungskosten natürlichen Kautschuks im Vergleich zum synthetischen Kautschuk; 1931 Tätigkeit in verschiedenen Werken auf dem Gebieten der Farben- und Zwischenproduktchemie; 1934 Gesamtprokura für den Standort Frankfurt und die Niederlassungen Ludwigshafen, Leverkusen, Uerdingen und Bitterfeld; 1. Mai 1937 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 6099289); Anfang 1938 stellvertretendes Vorstandsmitglied der IG Farben; Mitte 1938 Vorstandsmitglied in Frankfurt und sieben Niederlassungen; 1938-Kriegsende 1945 Mitglied im Technischen Ausschuss der IG Farben; 1940 Beratung des Vorstandsvorsitzenden Carl Krauch der IG Farben bei der Erstellung des Vierjahresplans als Leiter der Forschung und Entwicklung der IG Farben; ab 18. Oktober 1938 Mitglied im Chemikalien-Ausschuss; ab 14. März 1940 Vorsitzender der Kommission für Waschrohstoffe; 1940 Geschäftsführer der Luranil Bau GmbH; 15. November 1944 Verleihung des Grads und der Recht des Dr. rer. nat. honoris causa.
Kampfstoffe: 1941 Geschäftsführer der Anorgana GmbH, einer Tochtergesellschaft der IG Farben zur Herstellung der chemischen Kampfstoffe Direkt-Lost, Sarin und Tabun an den drei Betriebsstätten der Anorgana GmbH; ab Juli 1942 Leiter des „Sonderausschuss C" beim Rüstungslieferungsamt, zuständig Produktionsentwicklung und -sicherung der Kampfstoffe; federführend beteiligt an der Entwicklung der chemischen Kampfstoffe Sarin und Tabun; Mai 1943 Vortrag bei Adolf Hitler im Führerhauptquartier zu den Auswirkungen der Nervenkampfstoffe Sarin und Tabun.
Buna: 1935 verantwortlich für den Aufbau des ersten Buna-Werks der IG Farben in Schkopau (Buna I); 1937-Mai 1939 Betriebsführer des Buna-Werks gemäß dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit; 1938 Aufbau des zweiten Buna-Werks in Hüls (Buna II), Geschäftsführer, anschließend Aufsichtsrat der Chemischen Werke Hüls GmbH, einer gemeinsamen Gesellschaft der IG Farben und der Bergwerksgesellschaft Hibernia AG; Frühjahr 1941 Planung, Bau und Oberleitung der Buna-Produktionsstätte im Werk Ludwigshafen (Buna III); ab 1941 Leitung der Großbaustelle Werk Auschwitz zusammen mit Heinrich Bütefisch.
Inhaftierung und Verurteilung: 21. Januar 1946 - 2. Mai 1946 Inhaftierung im Displaced-Person-Camp Altschweier; 11. Dezember 1946 erneute Inhaftierung; 14. August 1947-30. Juli 1948 Angeklagter im Nürnberger Nachfolgeprozess gegen die IG Farben, als Kriegsverbrecher verurteilt zu acht Jahren Haft als Verantwortlicher für den Einsatz von Zwangsarbeitern auf der Großbaustelle der IG Farben in Auschwitz-Monowitz ; als Verteidiger von Ambros im Prozess fungierte der Rechtsanwalt Karl Hoffmann, der in seinem Plädoyer für Ambros am 4. Juni 1948 mit der Behauptung glänzte: „Die in Auschwitz sterben mussten, haben andere auf dem Gewissen, nicht aber Otto Ambros.“; 1951 vorzeitig aus der Haft entlassen.
Weitere berufliche Karriere: Beratervertrag bei Ernst Boehringer, Distillers Ltd., für das französische Unternehmen Pechiney, für Dow Chemical Europe und für W. R. Grace & Co. mit Sitz in New York. Aufsichtsratsmitglied bei SKW Süddeutsche Kalkstickstoff-Werke (1952–1967), Hibernia AG (1952–1966), ein Bergbaukonzern in Herne und hundertprozentige Tochter der VEBA, einer bundeseigenen Holding, Scholven-Chemie AG (1957–1967), eine hundertprozentige Tochter der Hibernia AG, VIAG Vereinigte Industrie-Unternehmungen AG (1961–1974), Industrieholding mit Hauptverwaltung in München, Phenolchemie (1953–1980) in Gladbeck, 1952 von Hibernia AG, Scholven Chemie AG, Rütgerswerke AG und Bakelite GmbH gegründet, Grünzweig & Hartmann (1954–1972), ein Dämmstoff-Hersteller mit Verwaltungssitz in Ludwigshafen, Feldmühle AG (1957–1964), ab 1962 ein Unternehmen der Flick-Gruppe und Telefunken AG (1961–1964), ein Unternehmen der AEG; 1981 Antwort von Ambros auf die Frage eines Journalisten zu seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs: „Das ist doch schon so lange her. Es hatte mit Juden zu tun. Wir denken darüber nicht mehr nach.“
Nachweise:
Nürnberg War Crimes Trials, Case VI, roll 61, O. A. Document No. 114: Eidesstattliche Erklärung von Joseph Bauer, Prälat und Ehrendomherr, am 17. Januar 1948. Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. 1998, S. 22. Nürnberg War Crime Trials, Case VI, roll 17, NI-8005: Erklärung unter Eid von Otto Ambros (Lebenslauf). Hörner: Die in Auschwitz sterben mussten..., S. 199. Dissertation: Über die Einheitlichkeit oder Komplexnatur pflanzlicher Proteasen. Über die proteolytische Wirkung des Kürbissaftes (Cucurbita Pepo). Nürnberg War Crimes Trials, Case VI, roll 61, O. A. Document No. 101: Eidesstattliche Erklärung von Otto Ambros am 12. Januar 1948 (Lebenslauf). Hörner: Die in Auschwitz sterben mussten..., S. 178. Nürnberg War Crimes Trials, Case VI, roll 61, O. A. Document No. 110: Eidesstattliche Erklärung von Hermann Bücher. Reichsanzeiger 1934, Nr. 150 S. 10, Nr. 188 S. 10, Nr. 192 S. 7, Nr. 195 S. 10, Nr. 212 S. 6 und Nr. 228 S. 8. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/440229. Reichsanzeiger 1938 Nr. 24 S. 9 und Nr. 163 S. 12. Chemische Apparatur, Band 28/1941, S. 176. BArch R3/1505: Besprechungspunkte aus der Führer-Besprechung vom 23./24./25. Juli 1942, Pkt. 26. BArch R3/1894 Bl. 27. R. Harris, J. Paxman: Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen. Econ, Düsseldorf 1983, S. 75. Otto Ambros: Die Lage auf dem Kampfstoffgebiet. Auszug aus Vortrag im Führerhauptquartier am 15. Mai 1943. BArch R3/1894, Bl. 27 ff. Reichsanzeiger 1937 Nr. 64, S. 1. Der Gesellschaftsvertrag wurde am 15. Februar 1937 errichtet. Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden, Band 2, Frankfurt am Main 1990, S. 992./Fußnote: Zusammenfassung der 25. Vorstandssitzung, 25. April 1941, NI-8078 Nürnberg War Crimes Trials, Case IV, roll 91, O. A. Document No. 86: Schreiben des Baudirektors Santo vom 15. März 1941 an Dr. Höpke, Bauabteilung der Leuna Werke. Universitätsarchiv Freiburg, B0015 Naturwissenschaftlich-mathematische Fakultät (1892–1971), 185: Ehrenpromotionen: Urkunde vom 15. November 1944. Nürnberg War Crimes Trials, Case VI, roll 61, O. A. Document No. 126: Eidesstattliche Erklärung von Hermann Staudinger, Direktor des chemischen Laboratoriums an der Universität Freiburg, vom 12. Januar 1948. Universitätsarchiv Freiburg, B0015 Naturwissenschaftlich-mathematische Fakultät (1892–1971), 185: Ehrenpromotionen: Antwortschreiben von Ambros vom 3. Dezember 1951 auf Schreiben des Dekans der Naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät der Universität Freiburg vom 30. November 1951. Nürnberg War Crimes Trials, Case VI, roll 59, S. 15925: Plädoyer Rechtsanwalt Hofmann am 4. Juni 1948.
[24] Michael Kißener: Boehringer Ingelheim im Nationalsozialismus. Studien zur Geschichte eines mittelständischen chemisch-pharmazeutischen Unternehmens. Franz Steiner Verlag, 2015, S. 205 und Fußnote 106 mit Hinweis auf Fundstelle Beratervertrag im Firmenarchiv Boehringer Ingelheim.
[25] Ronald Reagan Presidential Library, Digital Library Collections, WHORM (White House Office of Record Management) Subject File Code: FG384, Bl. 82 ff.: Schreiben von Otto Ambros an J. Peter Grace Jr. vom 30. Januar 1980 mit von ihm autorisierter tabellarischer Auflistung von elf seiner Beratungstätigkeiten und Aufsichtsratsmandate. Hoppenstedt: Leitende Männer der Wirtschaft, 1959 (S. 11), 1960 (S. 12), 1964 (S. 13), 1965 (S. 13), 1966 (S. 14), 1967 (S. 15) und 1968 (S. 14). Zeit Online: Wird Telefunken ein Börsenwert? Aus der ZEIT Nr. 30/1961 vom 21. Juli 1961. Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden, Band 3 Frankfurt am Main 1990, S. 1163./Fußnote: Artikel aus San Francisco Chronicle vom 6. März 1982, S. 12. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 15.

Dr. Walter Karol von Ammann - Werksdirektor, kommissarischer Verwalter
* 18. Januar 1891 in Linz, Österreicher, evangelisch, verheiratet, eine Tochter, † 29. Januar 1945 in Ober Lazisk.
Studium der Chemie; Promotion; 27. Juni 1917 erster Direktor des Kraftwerks und der Karbidfabrik Elektro AG für angewandte Elektrizität in Ober Lazisk; Werksleiter bis kurz vor Kriegsbeginn 1939; 14. September 1939 bis 31. August 1940 kommissarischer Verwalter der Elektro AG, dann Vorstand bis Kriegsende; Treuhänder/komm. Verwalter der Gasaccumulator AG bis 02.02.1941; am 29. Januar 1945 von einem sowjetischen Soldaten in seinem Büro erschossen; auf dem evangelischen Friedhof in Mikołów beerdigt.
Nachweise:
Gazeta Laziska 2016, Nr. 9, S. 10 f.: Zapomniana historia Waltera von Amanna (Die vergessene Geschichte von Walter von Amann). Lucjan Smolorz Zakłady „Elektro” S.A. w Łaziskach Górnych w latach 1917-1939, S73-96, in: Mikołowskie Zeszyty Historyczne, Mikołów, 2018, Nr. 4.
Edmund August Bieneck - Direktor, kommissarischer Verwalter
* 3. September 1900 in Budapest, † 13. April 1977 in Wiesbaden.
Kaufmännische Lehre bei den Stella-Werken in Breslau; Direktor; Leiter der Werksgruppe Ost der Didier-Werke AG nach dem Zusammenschluss der Stella-Werke mit Didier 1932; 1. Februar 1940 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 7.456.257); 1941 kommissarischer Verwalter der Keramischen Werke Stella AG in Krenau bei Kattowitz in Ostoberschlesien bis zum Verkauf der Werke durch die Haupttreuhandstelle Ost an die Didier-Werke AG, letztere vertreten durch die Bevollmächtigten Geheimer Regierungsrat Hermann Bernhard Fellinger und Fabrikdirektor Dr. Hugo Ackermann, beide Berlin; 1942 Geschäftsführer der Stellawerke GmbH mit Sitz in Kattowitz gemeinsam mit Fellinger und Ackermann; 1949-1969 Vorstandsvorsitzender der Didier-Werke.
Bieneck erhielt zahlreiche Ehrungen (Ehrenpräsident des Bundesverbandes Steine und Erden, drei Bundesverdienstkreuze, Ehrendoktorwürde der TU Clausthal, Ehrenbürgerschaft der RWTH Aachen, Ehrenplakette der Stadt Wiesbaden u. a. ).
Nachweise:
DRAnz 16.01.1942, S.4 Neueintragung Stellawerke GmbH in das Handelsregister Kattowitz; Stadt-Lexikon Wiesbaden; Bernard Thomas: 20th Century Man: zur NSDAP-Mitgliedschaft von Edmund Bieneck, in: Forum für Politik, Gesellschaft und Kultur, September 2012, Nr. 321, S. 23.

Dr. Rudolf Bösche
* 16. Februar 1905 in Elbeu, Kreis Wolmirstedt, evangelisch, verheiratet, 1 Kind; 1911–17 Volksschule in Wolmirstedt, 1917-1924 Gymnasium in Magdeburg, 1924 Reifeprüfung; 1924-1931 Studium der Volkswirtschaft, zwischenzeitlich zwei landwirtschaftliche Praxisjahre, Diplomprüfung; 1931-1932 Volontärverwalter Domäne Lettin; 1932-1933 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Tierzuchtinstitut der Universität Halle; 1933 Promotion, Tierzuchtassistent Tierzuchtamt Stendal; 1933-1945 Reichsnährstand in unterschiedlichen Funktionen; 1. Mai 1937 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 5723172); 1939 Tierzuchtleiterprüfung, nach 1939 Referent und Gruppenleiter Haupttreuhandstelle Ost 1942, kommissarischer Verwalter der Vereinigte Zichorien-Fabriken Ferdinand Bohm & Co. und Gleba AG in Leslau.
Nachweise
BArch R16/4840: Personalakte Landesbauernschaft Sachsen-Anhalt; BArch R144/78 Bestallungsurkunde vom 25. Juli 1942.
Dr. Paul Bruno Friedrich Bramstedt - Direktor
* 22. Januar 1884 in Haarberg bei Ahrensbök, † 7. Oktober 1960 in Eutin, verheiratet, 2 Kinder; 1894–1903 humanistisches Gymnasium in Eutin, Reifeprüfung; 1903–1908 Studium der Staatswissenschaften in Kiel und Leipzig; 1908 Promotion; 1908-09 Militärdienst in Dresden; 1909–1910 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Preußischen Statistischen Landesamt, Berlin; 1910-12 persönlicher Assistent von Generaldirektor Haeffner (Voigt & Haeffner AG Spezialfabrik Elektrotechnische Schaltapparate, Frankfurt); 1913-14 erneut wissenschaftlicher Mitarbeiter im Preußischen Statistischen Landesamt, Berlin; 1914 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Statistischen Reichsamt, Berlin; 1914-19 Soldat im Ersten Weltkrieg, in französischer Kriegsgefangenschaft; 1919-28 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Statistischen Reichsamt, Berlin; SA-Mitglied; ab 1. Mai 1937 NSDAP-Mitglied (Nr. 4576663); 1928-August 1945 Direktor des Statistischen Reichsamts; Leiter Abteilung VI Allgemeine Wirtschaftsstatistik des StRA; zwischenzeitlich 1941 Haupttreuhandstelle Ost, Berlin.
Nachweise:
Werner Schubert, Werner Schmid, Jürgen Regge, Akademie für deutsches Recht 1933–1945. Protokolle der Ausschüsse, Bd. II, Ausschuss für GmbH-Recht, 1986, Walter de Gruyter & Co. Berlin, New York; British Intelligence Objectives Subcommittee, Symposium of Interrogations and Reports on German Methods of Statistical Reporting, Final Report No. 273, Item No. 28, S. 143; BArch R9361-I/345: Parteistatistische Erhebung 1939.
Erwin Braune - persönlicher Referent des Leiters der Haupttreuhandstelle Ost, Rechtsanwalt
* 15. Januar 1900 in Schwetz, gottgläubig, zwischenzeitlich verheiratet, geschieden, keine Kinder; Besuch des Gymnasiums in Pr. Stargard; Mai 1917 Abitur; 1917-1978 Kriegsteilnehmer; 1919 Burschenschaft Teutonia in Königsberg; 1920 med. Vorexamen Universität Halle; 1927 1 erste juristische Staatsprüfung; 1932 zweite juristische Staatsprüfung; 1932-1934 Deutsche Centralbodenkredit AG; Rechtsanwalt; 1. Mai 1933 Mitglied in der NSDAP; 1933-1939 Mitglied in der SA, ab 1938 Obertruppführer in der Rechtsabteilung; Mitglied in NSV und Rechtswahrerbund; 1938-1940 Gefreiter der Wehrmacht, Teilnahme am Überfall auf Polen; 1940 u.k.-gestellt; 27. Februar 1940 - 30. September 1945 Referent bei der Haupttreuhandstelle Ost; 1. Januar 1944 - 1945 Ufa-Film Berlin; 1945-1947 Beifahrer im Fuhrgeschäft Wilkening, Bückeburg; 1948 Aushilfssachbearbeiter beim Straßenzentralamt Bielefeld; nach 1950 Rechtsanwalt in Berlin.
Nachweise:
BArch R144/410 HTO-Personalstammblätter 1943; Entnazifizierungsakte LA NRW Abt. Rheinland NW 1073-00132; Adressbuch Berlin 1955.
Dr. Robert Brebeck - Leiter der Abteilung III (Industrie) ab 1. Juli 1942
* 18. April 1890 in Oberlangenau/Kreis Löwenberg, † 31. März 1946 in einem russisch-polnischen Lager bei Bielitz-Biala, evangelisch, verheiratet, zwei Kinder; Ostern 1910 Reifeprüfung; Studium der Rechtswissenschaften; 12. Februar 1914 1. juristisches Staatsexamen; 6. März 1914 – 21. Juli 1921 Gerichtsreferendar; 10. August 1914 - 29. Januar 1919 im Kriegsdienst, zuletzt Leutnant der Reserve, Frontkämpfer; 22. März 1916 Promotion zum Dr. jur an der Universität Breslau; 18. Juli 1921 Große juristisches Staatsexamen; 18. Juli 1921 Gerichtsassessor; 1. Juni 1922 Regierungsassessor; 20. Mai 1925 Regierungsrat; 1. Januar 1932 bei der Regierung in Oppeln; 1. Juni 1934 – 21. Oktober 1936 Wirtschaftsdezernent beim Oberpräsidium Breslau; 17. Juni 1936 Oberregierungsrat; 22. Oktober 1936 Generalreferent beim Reichskommissar für die Preisbildung; 1. Mai 1937 Parteianwärter der NSDAP; 1. November 1937 Ministerialrat; 1939 Ministerialdirigent; 1. Juli 1942-1944 Abteilungsleiter III (Industrie) bei der Haupttreuhandstelle Ost, abgeordnet vom Reichskommissar für Preisbildung; Ende Juli 1944 in der Ausweichstelle der Abt. III (Industrie) in Ratibor von der Gestapo verhaftet, aber wieder freigelassen.
Nachweise:
BArch R43-II-357 Bl. 16-22: Ernennungen zum Ministerialrat und Ministerialdirigenten; BArch R8043/582; BArch R144/643 HTO-Personalstammblatt 1943 Brebeck; BArch R1501/205281 Personalakte Dr. Brebeck im Reichsinnenministerium; Döge: Winkler – Ein treuer Diener, 2022; Tuchel: Strick, S. 445.
Dr. Dr. Artur Breitfeld - Oberregierungsrat
* 9. Februar 1899 in Erfurt, † 7. Juli 1967 in Grassau, evangelisch, verheiratet, 5 Kinder. Promotion zum Dr. rer. pol. und zum Dr. jur.; 1924 Gerichtsreferendar; 1927 Regierungsassessor beim Landrat des Kreises Züllichau-Schwiebus; 1929 Landrat im Kreis Ueckermünde; 26. Oktober 1933 Versetzung in den einstweiligen Ruhestand, Mitglied der SPD bis zu seinem Ausschluss 1932; 1934-1937 bei der Regierung in Köslin, 1938 bei der Regierung in Oppeln, 1938-1945 beim Reichskommissar für die Preisbildung in Berlin, ab 1. Juli 1942 vom Reichskommissar für Preisbildung abgeordnet zur Abt. III der Haupttreuhandstelle Ost, zunächst Leiter des Referats 12 (Energieversorgungsunternehmen), dann Leiter des Referats 9 (Verkehrsunternehmungen); 1945-1947 Bezirksverwaltung Merseburg, 1947-1950 Finanzministerium des Landes Sachsen-Anhalt, nach seiner Flucht aus der DDR, 1950-1956 Senatsrat in der Senatsverwaltung für Inneres, Berlin; Regierungsdirektor; Lehrbeauftragter an der Hochschule für Politik und der Verwaltungsakademie Berlin; Mitglied des Juristischen Landesprüfungsamtes; 1952 Bewerbung als Richter am Bundesdienststrafhof; 1. Oktober 1956 - 30. September 1961 Richter am Bundesverwaltungsgericht.
Nachweise:
Geburtsregister des Standesamtes Erfurt Nr. 323/1899; Bundesarchiv: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung online, Biographie Breitfeld, Artur; BArch R144/643 HTO-Personalstammblatt 1943 Breitfeld; BArch R144/317 Geschäftsverteilung HTO vom 6. Oktober 1942, 15. März 1943 und 1. Mai 1944; BArch Protokolle der Bundesregierung, 249., Kabinettssitzung am Dienstag, den 23. September 1952

Heinrich Bütefisch - Vorstand der IG Farbenindustrie AG, Kriegsverbrecher
* 24. Februar 1894 in Hannover, † 13. August 1969 in Essen.
1911 Abitur; Chemiestudium an der Technischen Hochschule Hannover; 1914-1918 Kriegsfreiwilliger; 1920 Promotion; Eintritt in die BASF; Tätigkeit im Ammoniakwerk Merseburg; 1925 Abteilungsleiter; 1927 Prokura; 1930 Leiter der Leuna-Werke der IG Farben; 1936 Mitarbeiter von Carl Krauch, Vorstand der IG Farben, als Beauftragter für die Ölproduktion im Vierjahresplan; 5. Juli 1937 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 5771136); 1938 Vorstand des Technischen Ausschusses der IG Farben; 1938 Wehrwirtschaftsführer; 1939 Ehrenmitglied der SS, SS-Obersturmbannführer, Angehöriger des Freundeskreises Reichsführer SS; Mitglied der Leopoldina; Aufsichtsrat der Hydrierwerke Pölitz, der Donau-Chemie in Wien und der Mineralölbaugesellschaft in Berlin; 1941-1945 Leiter der Treibstoffproduktion der IG-Farben-Werks Auschwitz.
1945 Festnahme durch die US-Army; 14. August 1947-30. Juli 1948 Angeklagter im Nürnberger Nachfolgeprozess gegen die IG Farben, als Kriegsverbrecher verurteilt zu sechs Jahren Haft als Verantwortlicher für den Einsatz von Zwangsarbeitern auf der Großbaustelle der IG Farben in Auschwitz-Monowitz und in den Bergwerken der Fürstengrube GmbH; 1951 vorzeitig aus der Haft entlassen; Aufsichtsrat bei der Ruhrchemie AG, der Gasolin AG und der Feldmühle.
Zeuge im 1. Frankfurter Auschwitzprozess.
Im März 1964 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Rückgabe des Ordens am 27. März 1964, nachdem die Verurteilung Bütefischs als Kriegsverbrecher in der Öffentlichkeit bekannt wurde („Donnerschlag in der Ordenssache Bütefisch").
Ab 1955 Berater für die Schweizer Hovag, die Holzverzuckerungs AG, die nach dem Krieg neben Ethanol als Treibstoffzusatz auch Polyamid, Napalm sowie Zünder für Waffen herstellte. 1957 Aufsichtsratsvorsitzender der Kohle-Öl-Chemie GmbH in Gelsenkirchen.
Nachweise:
Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945? 2. Auflage. Nikol-Verlag, Hamburg, 2016. Hermann Weiß u.a. (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. 1998, S. 68. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/5070576. Karl von Westphalen u.a. (Hrsg.): Blätter für deutsche und internationale Politik. Band 20, Pahl-Rugenstein Verlag, 1975, S. 571. Wollheim Memorial - Heinrich Bütefisch. Military Tribunal VI, Judgement of the Tribunal (7-29-1948). S. 179., Trial 6 – I.G. Farben Case 8. Ebd.: S. 151 ff., Trial 6 – I.G. Farben Case 8. BArch B122/38619 Vorschlagsliste Nr. 904: Verleihungsurkunde, ausgestellt am 24. Februar 1964. Ebd.: Bl. 113 f.: Schreiben von Hans Wolfgang Rombach, persönlicher Referent des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, vom 31. März 1964 an Köble, Leiter der Ordenskanzlei im Bundespräsidialamt. Regula Bochsler: Nylon und Napalm, Verlag Hier und Jetzt, Zürich 2022. S. 548. Hoppenstedt: Leitende Männer der Wirtschaft, Ausgaben 1957/58, S. 122 und 1960, S. 120, nicht mehr in Ausgabe 1964.
Carl Adolf Clemm - Generaldirektor, kommissarischer Verwalter, Wehrwirtschaftsführer
Mandate 1941/1942:
Verwalter:
- Deutsche Solvay-Werke AG., Bernburg
- Ostdeutsche Chemische Werke GmbH., Posen
- Ebenseer Solvay-Werke Solvay & Cie. KG., Wien
- Nestomitzer Solvay-Werke Solvay & Cie. KG., Wien
- Grodziecer Gesellschaft für Kohlengruben- und Industrie-Anlagen AG., Grodziec
Geschäftsführer:
- Syndikat Deutscher Ätznatronfabriken GmbH, Bernburg
- Syndikat Deutscher Sodafabriken GmbH, Bernburg
Stellv. Vorsitzender des Verwaltungsrats: Verein für chemische und metallurgische Produktion, Prag
Stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats: Zellstofffabrik Waldhof, Berlin
Aufsichtsrat:
- Anhaltische Rohstoff-GmbH, Bernburg
- Anhaltische Studiengesellschaft mbH, Bernburg
- Deutsches Kali Syndikat GmbH, Berlin
- Salzdetfurth AG, Berlin
Grubenvorstand: Bergwerks-Gesellschaft Einigkeit mbH, Magdeburg
Beirat:
- Anhaltische Industrie- und Handelskammer, Dessau
- Industrie-Abteilung der Wirtschaftskammer Mittelelbe, Magdeburg
- Wirtschaftsgruppe Chemische Industrie, Berlin
- Fachamt Chemie der DAF, Berlin
Nachweis:
Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 143.
Dr. phil. Fritz Dittloff - Referent der Haupttreuhandstelle Ost
* 18. Juli 1894 in Bromberg-Schleusendorf, † 8. Februar 1954 in Hannover, verheiratet, Kind(er).
Maurer; Landwirt; Kaufmann; 1927-1933 Leiter der Deutsch-Russischen Saatbau AG (DRUSAG) vor Ort in Kropotkin/Nordkaukasien (UdSSR); Mitglied der SS; 1940/1941 Referent der Haupttreuhandstelle Ost; Eigentümer des Guts Siebenschlösschen im Kreis Pyritz; nach Kriegsende 1945 Leiter der Landesernährungsämter von Hannover und Oldenburg; Niedersächsischer Landtagsabgeordneter (2. Wahlperiode 1951-1955, Abgeordneter des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten, ausgeschieden am 2. Mai 1952)
Nachweis:
Schmieder, Marina: Der Landwirt und Politiker Fritz Dittloff (1894-1954). Vom Direktor der landwirtschaftlichen Reichskonzession DRUSAG in der Sowjetunion zum Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik. Jg. 28, H. 1-2, Herbst 2016, S. 23-35.

Walter Dürrfeld - Direktor IG Farbenindustrie AG, Kriegsverbrecher
* 24. Juni 1899 in Saarbrücken, † 1. März 1967 in Essen-Kettwig.
1917 Abitur; Schlosserlehre; 1919-1923 Studium des Maschinenbaus an der RWTH Aachen; zweijährige Tätigkeit als Betriebsingenieur; 1927 Promotion zum Dr.-Ing.; 1927 Ingenieur bei den Leuna-Werken, 1932 Chefingenieur; 1932 Eintritt in das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NFSK); 1934 Eintritt in die Deutsche Arbeitsfront (DAF); 1. Mai 1937 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 4482537); 1937 Ingenieur auf der Baustelle der Hydrierwerke Pölitz, zuständig für den Einsatz der Gefangenen und Zwangsarbeiter; 1941 vorläufiger Betriebsleiter auf der Baustelle des IG Farben-Werks Auschwitz-Monowitz; Prokura; 1944 Bezirksobmann für Oberschlesien bei der Wirtschaftsgruppe Chemische Industrie; 1944-1945 Direktor IG Farben Auschwitz; bei Kriegsende Flucht Richtung Westen; ab 5. November 1945 in amerikanischer Gefangenschaft; 14. August 1947-30. Juli 1948 Angeklagter im Nürnberger Nachfolgeprozess gegen die IG Farben, als Kriegsverbrecher verurteilt zu acht Jahren Haft als Verantwortlicher für den Einsatz von Zwangsarbeitern auf der Großbaustelle der IG Farben in Auschwitz-Monowitz; vorzeitig aus der Haft entlassen; 1952 Zeuge im Frankfurter Wollheim-Prozess; Vorstand der Scholven Chemie AG auf Vermittlung von Otto Ambros; Vorsitzender des Aufsichtsrats der Borkenberge-Gesellschaft in Recklinghausen und der Frauenklinik Dr. Bohnen in Helmstedt; Aufsichtsrat bei Friesecke & Höpfner in Erlangen, bei der Phenolchemie GmbH in Gladbeck/Westfalen und der Hibernia-Chemie in Wanne-Eickel.; Beirat der Ruhr-Stickstoff AG in Bochum.
Nachweise:
Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945? 2. Auflage. Nikol-Verlag, Hamburg 2016. Biografie Walter Dürrfeld, Wollheim Memorial. Walter Dürrfeld. Lernen für den Häftlingseinsatz: Von Pölitz nach Auschwitz. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags, WD1-3000-044/09, 2009, S. 4. Bundesarchiv, R 9361-IX KARTEI/7020667. Annette Wilmes: Krupp und IG Farben. Die Nürnberger Prozesse gegen führende Industrielle. Wortspiel Deutschlandradio, Berlin, 30, Juli 1998, S. 22. Staatsarchiv Nürnberg: Nürnberger Prozesse, KV-Anklage, Interrogations H166, NJ 34: Eidesstattliche Erklärung von Rudolf Höß vom 20. Mai 1946. Hoppenstedt: Leitende Männer der Wirtschaft. 6. Auflage. Verlag Hoppenstedt & Co., Berlin 1957/1958, S. 179; ebd. 1959, S. 177; ebd. 1960, S. 174; ebd. 1964, S. 199.
Johann Sebastian Fischer - Wirtschaftsprüfer
* 9. November 1906 in Berlin, † 12. Oktober 1971 in Düsseldorf, evangelisch, ledig, keine Kinder; Bücherrevisor, Wirtschaftsprüfer; ab 1. Oktober 1940 bei der Haupttreuhandstelle Ost beschäftigt.
Nachweise:
LAB, Geburtsregister Berlin, Nr. 1938, 13. November 1906; BArch R144/643: HTO-Personalstammblatt 1943 Johann-Sebastian Fischer.

Reinhard Fritsch - Oberregierungsrat
* 16. September 1905 in Schwerin a. d. Warthe, † 5. Juli 1982; 1923 Reifeprüfung am humanistischen Gymnasium in Bromberg; 1924–1929 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften; 1929–1933 Ausbildung als Gerichtsreferendar; 1931 Promotion; Gerichtsassessor und Richter am AG Berlin; 1934–1939 juristischer Hilfsarbeiter bei der Deutschen Zentralgenossenschaftskasse, Berlin; 1935 Eintritt in die NSDAP; 1939 Regierungsrat; 1939–1942 Genossenschaftsreferent im RMEL; Gruppenleiter Haupttreuhandstelle Ost; 1941 Oberregierungsrat; 1942–1945 Referent für Monopolfragen im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete; 1946–1947 Lagerist im Holzwerk Hainholz, Hannover; 1947-70 Landeskirchenamt Hannover; Ernennung zum Oberkirchen- (1948), Landeskirchen- (1951) und Oberlandeskirchenrat (1957), Leiter des Generaldezernats für Bauwesen und Denkmalpflege; 1970 in Ruhestand.
Nachweise:
Historisches Seminar der Universität Heidelberg, Projekt Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien: https://ns-reichsministerien.de/2020/05/26/reinhard-fritsch/ (Download 4. Januar 2021).
Friedrich Carl Frölich - Dipl.-Ing. , Sachverständiger für Metall- und Gießereiindustrie
* 17. Mai 1872 in Bames bei London/England, † 24. September 1944, kath., verheiratet, keine Kinder; 1890 Reifeprüfung am Gymnasium zu Münster; praktische Ausbildung; 1891–1995 Maschinenbaustudium an der TH Hannover; 1895 Prüfung als Bauführer des Maschinenbaufaches bestanden, Dipl.-Ing.; 1895 Ingenieur in einem Patentanwaltsbüro; 1895–1898 Ausbildung als Ingenieur in verschiedenen Abteilungen der Berliner Maschinenbau AG, vormals L. Schwartzkopff; 1898–1907 Mitglied der Schriftleitung der Zeitschrift des VDI; 1904 Studienreisen in Deutschland, England und den Vereinigten Staaten, Vertreter des VDI auf der Weltausstellung in St. Louis; 1908–1924 zunächst stellv. GF, dann GF, anschließend geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins der deutschen Maschinenbauanstalten (VDMA), Abschied vom VDMA aus gesundheitlichen Gründen; Mitglied der DDP bis 1929 oder 1930; Reichsbevollmächtigter der Außenhandelsstelle für den Maschinenbau; ab 1924 beratender Ingenieur und Wirtschaftler; 1931 Lehrauftrag für seminaristische Übungen über die Beziehungen zwischen dem selbstständigen Vertrieb und der Herstellerfirma. Ehrenbürger der TH Hannover.
Nachweise:
BArch R 4901/13263 Hochschullehrerkartei.

Staatsrat Dr. iur. Rüdiger Graf von der Goltz - Strafverteidiger, Politiker, komm. Verwalter
* 10. Juli 1894 in Berlin-Charlottenburg, † 18. April 1976 in Düsseldorf, Sohn des gleichnamigen Generals Rüdiger von der Goltz, verheiratet, ein Kind, Cousin von Dietrich Bonhoeffer.
Graf von der Goltz war ab 1. April 1932 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.033.215). Von der Goltz war 1933 Gründungsmitglied der Akademie für Deutsches Recht und aktiv in den Ausschüssen für Finanz- und Steuerrecht, für GmbH-Recht und für Kartellrecht. Ab 29. März 1936 war er Mitglied des Reichstags.
Mandate 1941/1942:
- Stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats: Deutsche Solvay-Werke AG, Bernburg/Anhalt
- Aufsichtsrat:
- Allianz Lebensversicherungs AG, Berlin
- Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt, Berlin
- Feldmühle, Papier- und Zellstoffwerke AG, Stettin-Odermünde
- Stettiner Portland - Cement - Fabrik AG, Züllchow/Pommern
Nachweise:
Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/11480446. Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 292.
Dr. Georg Gräbner - Regierungsrat
* 19. Juli 1903 in Nürnberg, verheiratet, 2 Kinder; 1922 Reifeprüfung; 1922-1925 Studium der Volkswirtschaft mit Abschluss Diplom-Volkswirt; 1926 Promotion zum Dr. rer. pol.; Geschäftsteilhaber; 1927 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Vorläufigen Reichswirtschaftsrat; 1929-1931 Mitglied in der Loge „Zur Burg Hohenzollern“ des Druidenordens (siehe dazu auch Gnadenverfügung des Führers vom 9. Dezember 1939); Regierungsrat beim Reichsforstmeister; 1. Januar 1940 NSDAP-Mitglied (Nr. 7322535); Wehrwirtschaftsführer, Leiter der Reichsstelle für Holz, nach 1945 GF der Vereinigung der Holzhandelsverbände, Hannover, und des Verbands der Holzhändler Niedersachsen und Bremen e.V., Hannover, wohnte noch 1975 in Hannover.
Nachweise:
Podewin, Braunbuch Kriegs- und Naziverbrecher; S. 53. BArch R 401/1775 Personalakte beim Vorläufigen Reichswirtschaftsrat. BArch R 9361-II/312315 BDC-Unterlagen der NSDAP. BArch R 9361-III/567064 BDC-Unterlagen der SS und SA. BArch 401/1775: Personalakte; Standesamt Berlin, Heiratsregister Nr. 501 vom 19. Juli 1928. Hoppenstedt: Leitende Männer der Wirtschaft 1960, S. 278.

Dr. iur. Ludwig Grauert - Staatssekretär, SS-Brigadeführer, komm. Verwalter
* 9. Januar 1891 in Münster/Westfalen, † 4. Juni 1964 in Köln.
Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Münster und der Ludwig-Maximilians-Universität München; Oktober 1913 erstes juristisches Staatsexamen; August 1914 - März 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg, zuletzt als Leutnant; 1921 zweites juristisches Staatsexamen, Gerichtsassessor bei den Staatsanwaltschaften Münster und Bochum; 1923-1928 Abteilungsleiter des Arbeitgeberverbands der Hüttenbetriebe in Düsseldorf; 1930 erfolglose Kandidatur zum Reichstag; 7. Februar 1933 Ministerialdirektor im preußischen Innenministeriums; 11. April 1933 Staatssekretär und Mitglied im Preuß. Staatsrat; 1. Mai 1933 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 3.262.849); 2. Juni 1933 Eintritt in die SS (SS-Nummer 118.475); SS-Oberführer; 2. Oktober 1933 Gründungsmitglied der Akademie des Deutschen Rechts; 20. April 1935 SS-Brigadeführer; 1. Juni 1936 Versetzung in den einstweiligen Ruhestand/Rücktritt während laufender Ermittlungen durch das Oberste Parteigericht der NSDAP; nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst
Aufsichtsrat der Deutsche Continental Fas-Gesellschaft in Dessau;
November 1942 bis September 1944 Oberst d. R. und Kommandeur eines Flakregiments in Dänemark
Nachweise:
Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Hamburg: Nikol Verlagsgesellschaft mbH, 2. Auflage 2016, S. 197. Joachim Lilla: Der Preußische Staatsrat 1921–1933: Ein biographisches Handbuch. Düsseldorf: Droste Verlag, 2005, S. 204 f.. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/11771610. Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 298.
Dr.-Ing. Oscar Robert Henschel - Unternehmer, Generaldirektor, komm. Verwalter
* 1. September 1899 in Kassel, † 9. Februar 1982 in Küsnacht (Schweiz), verheiratet, vier Kinder.
1917 Notabitur; anschließend Kriegsdienst, Leutnant; Studium TH Darmstadt, Universität München und Universität Frankfurt am Main; 1924 Generaldirektor der Firma Henschel; 1.April 1933 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 1.804.626), 16. Juli 1934 - 6. April 1945 NSDAP-Ratsherr in Kassel.
Mandate 1941/1942:
Geschäftsführer: Henschel & Sohn GmbH., Kassel (Maschinen-, Fahrzeugbau- und Rüstungskonzern)
Vorsitzender des Aufsichtsrats:
- Henschel Flugzeug-Werke AG., Berlin-Schönefeld
- Wiener Lokomotiv-Fabriks-AG., Wien
Präsident des Verwaltungsrats: Soc. An. Macchine Ferroviarie e Stradali „Brevetti Henschel“, Mailand
Stellv. Vorsitzender des Beirats: Henschel Flugmotorenbau GmbH., Kassel
Vorsitzender des Aufsichtsrats: Oberschlesische Lokomotivwerke AG., Kattowitz
Aufsichtsrat:
- Deutsche Überseeische Bank AG., Berlin
- Reichs-Kredit-Gesellschaft AG., Berlin
- Ruhrstahl AG., Witten
- Siemens & Halske AG., Berlin
Leiter: Fachgruppe Lokomotiven der Wirtschaftsgruppe Maschinenbau, Berlin
Beirat: Wirtschaftsgruppe Maschinenbau, Berlin
Nachweis:
Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 372.

Dr. Jakob Herle – HTO-Abteilungsleiter
* 25. Juni 1885 in Erkelenz; † 8. September 1957 ebd., katholisch; Schüler der höheren Gymnasialschule in Erkelenz und des humanistischen Gymnasiums in Rheydt; Abitur; Studium der Nationalökonomie in Bonn, Berlin und Tübingen, andere Angabe: Studium von Jura und Volkswirtschaft in Bonn und Berlin; 1910 Assistent der Geschäftsführung des Bundes der Industriellen; 1911 Promotion zum Dr. rer. pol. in Tübingen; 1914-1919 Geschäftsführer und Schriftleiter des „Kriegsausschuss der deutschen Industrie“; 1919-1934 Reichsverband der deutschen Industrie, zuletzt Hauptgeschäftsführer; Mitbegründer der Kartellstelle des Reichsverbands und des Russland-Ausschusses der dt. Wirtschaft; 4. Mai 1933 Eintritt in Rotary; 1934 Mitglied der Akademie für Deutsches Recht; 1934-1935 Leiter Ausstellungs- und Messeamt der Industrie; 1934-1936 Rotary Klub Berlin; ab Juni 1934 Aufsichtsrat der ALA Anzeigen AG; ab Mai 1935 Geschäftsführer der ALA Anzeigen AG; Mitarbeiter in der Wirtschaftsstelle des Reichsverbands der deutschen Zeitungsverleger; 1. April 1936 NSDAP-Mitglied (Nr. 3759329); 1939 Haupttreuhandstelle Ost: Abteilungsleiter III Industrie; 1942 Vorstand Pulverfabriken Köln-Rottweil AG; 1943 Vorstand Westfälisch-Anhaltinische Sprengstoff AG; 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht in Berlin festgenommen und bis 1952 in Posen, in Landsberg an der Warthe, im sowjetischen Speziallager Nr. 2 Buchenwald bei Weimar bis Februar 1950 und im Zuchthaus Waldheim in Sachsen inhaftiert; 1952 Mitglied im geschäftsführenden Ausschuss der WASAG AG, dann 1953 Mitglied des Aufsichtsrats; 1955 Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der WASAG-Chemie AG; Mandate bei acht Industrieunternehmen und Versicherungen (Aufsichtsrat: Kronprinz A.G., Solingen-Ohligs, Guanowerke AG., Hamburg, Allianz Lebensversicherungs-AG., Stuttgart, Kupferberg & Co., Mainz und Leonhard Monheim GmbH., Aachen; Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats: Concordia Bergbau-AG., Oberhausen; Beirat: Rhein-Ruhr Bank, Düsseldorf; Vorsitzender des Verwaltungsrats: Industrie-Pensions-Verein e.V., Varel); Vorstand des „Internationalen Rates für Jugendaufstieg und Selbsthilfe“ und der Rechtsnachfolgerin Carl-Duisberg-Gesellschaft; Kuratoriumsmitglied des Deutschen Industrieinstituts; 1955 Ehrenbürger von Erkelenz; Juli 1955 Großes Bundesverdienstkreuz; Benennung einer Straße in Erkelenz als „Dr.-Jakob-Herle-Straße“, Ehrengrab in Erkelenz; 2022 Enttarnung als Kriegsverbrecher; 2025 zukünftig Verzicht auf öffentliche Erwähnung der Ehrenbürgerwürde nach Beschluss des Stadtrats der Stadt Erkelenz; Umbenennung des Straßennamens in "Erlenweg", Umwandlung des Ehrengrabs.
Nachweise:
BArch NS5-VI/17606: Pressemitteilungen zu Aktivitäten Dr. Herles 1932-1934; BArch R9361-II/402368: Aufforderung zur Überwachung Dr. Herle, 1937; Herrmann, Walther, „Herle, Jakob“, in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 625; Forschungsprojekt „Rotary unter dem Nationalsozialismus“, URL: https://memorial-rotary.de/members/2255 (abgerufen am 26.4.2022); StA Erkelenz, Liste der Ehrenbürger, S. 3; Archiv für publizistische Arbeit, 9. Mai 1935, S. 2734; Schrag: Festschrift, 1955; Hoppenstedt: Leitende Männer der Wirtschaft, 1957/58, S. 357; Fischer, Wolfram: WASAG, nach S. 192; Stadt Erkelenz: Niederschriften 20. Februar 2025 HaFi Top 2 NB und 26. Februar 2025 Rat Top 4 NB.
Downloads:
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Dr. Hermann Höpker-Aschoff – HTO-Abteilungsleiter
* 31. Januar 1883 in Herford, † 15. Januar 1954 in Karlsruhe; 1901 Reifeprüfung; 1901–1904 Studium der Rechtswissenschaft in Jena, München und Bonn; 1907 Promotion; 1912 Richter am Landgericht Bochum; 1914–1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg; 1921 Richter am Oberlandesgericht Hamm; 1921–1932 Mitglied des Preußischen Landtags (DDP); 1925–12.10.1931 Preußischer Finanzminister; 1930–1932 Mitglied des Reichstags, 1940 zur Haupttreuhandstelle Ost dienstverpflichtet; 1940–1944 Leiter der HTO-Abteilung Öffentliches Vermögen; 1944 Angestellter Industrie-Kontor GmbH; 1945 Generalreferent für Finanzen in der westfälischen Provinzialregierung; 1948/49 Mitglied im Parlamentarischen Rat; 1948–1950 Mitglied im Bundesvorstand der FDP; 1949–1951 Abgeordneter (FDP) im 1. Deutschen Bundestag; 1949 Honorarprofessor für Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Münster;1950 Honorarprofessor an der Universität Bonn; 1951 (erster) Präsident des Bundesverfassungsgerichts; Ehrenbürger der Stadt Herford.
Nachweise:
BArch R144/640 HTO-Personalstammblatt 1943 Höpker-Aschoff; Grünthal, Günther, „Höpker-Aschoff, Hermann“, in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 349 f. [URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119208857.html (Download]; Dingell, Treuhandstelle Posen, S. 83–85.
Hans Kaiser - Regierungsrat
* 27. Februar 1881, römisch-katholisch, verheiratet, keine Kinder; Hauptmann der Reserve; ab 14. Oktober 1940 bei der Haupttreuhandstelle Ost beschäftigt.
Nachweise:
BArch R144/82 HTO-interne Mitteilung vom 5. August 1942 über u. k. gestellte Mitarbeiter; BArch R144/410 HTO-Personalstammblatt 1943 Kaiser.
Walter Kersten - Sachbearbeiter für Nährstandsbetriebe
* 17. Januar 1899, evangelisch, verheiratet, 1 Kind.
Ab 1. Juli 1941 bei der Haupttreuhandstelle Ost angestellt.
Nachweise:
BArch R144/640 HTO-Personalstammblatt 1943 Kersten.
Hermann Klein - Sachbearbeiter
* 30. Januar 1907, evangelisch, verheiratet, drei Kinder.
Ab 10. August 1940 bei der HTO beschäftigt als Wehrdienstleistender.
Nachweise:
BArch R144/640: HTO-Personalstammblatt 1943 Klein.
Erich Krahmer-Möllenberg – HTO-Abteilungleiter
* 25. April 1882 in Goslar; † 22. Oktober 1942 im Fruška Gora-Gebirge bei Bukovac/Kroatien bei Flugzeugabsturz, verheiratet; Studium der Rechtswissenschaft in Kiel; 1906-1911 Gerichtsreferendar; 1911 Gerichtsassessor Amtsgericht Hildesheim; 1912 Landwirtschaftskammer Kiel; 1913 Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin; 1918 Regierungsassessor im Preußischen Innenministerium; 1919 Regierungsrat, Referent für Polen bei der deutschen Kommission für den Waffenstillstand von Compiègne; 31. Dezember 1919 auf Antrag aus dem Staatsdienst entlassen; 1920 GF des Interfraktionellen Ausschusses für Ostfragen des Reichstags; 1920–1940 Mitbegründer (mit Max Winkler u.a.) und geschäftsführender Vorstand der Deutschen Stiftung; 1929 Dr. rer. techn. e. h.. der Technischen Hochschule Danzig; Vorstand des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart; Dezember 1939 Leiter der Abteilungsleiter bei der Haupttreuhandstelle Ost und 1. Stellvertreter von Max Winkler.
Nachweise: Dingell, Treuhandstelle Posen, S. 79-83; Kirchenbuch Goslar, 1882, Geburtsregister, S. 35, Nr. 5; LAB, Standesamt I Berlin, Sterberegister, Nr. 9 vom 5. Januar 1945; Döge: Winkler - Ein treuer Diener, 2022.
Dr. Josef Kübel - Referent bei der Haupttreuhandstelle Ost und Notar
* 14. Januar 1895 in Gießen, † 13. Juni 1976 ebenda, katholisch, verheiratet, vier Kinder.
1904-1914 Gymnasium in Gießen, Abitur Ostern 1914; Teilnahme am Ersten Weltkrieg, zuletzt Leutnant der schweren Artillerie; 1920 Referendar; 1920-1927 Reichstagsstenograph; 1921 Promotion zum Dr. iur.; 30. Januar 1925 Assessor; 1925-1945 Rechtsanwalt in Berlin; 1928 Justitiar der Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG; ab Ende 1932 Syndikus der Vereinigung der Deutschen Viskoseproduzenten; 1. Mai 1933 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 1.773.031); 1934 Hausverfahren des Gau Groß-Berlin gegen den Pg. Kübel wegen 1.) verleumderischer Beleidigung des Reichskanzlers Adolf Hitler und des Reichsministers Röhm und 2.) des Verrats an der Deutschen Wirtschaft; 1935-1937 Leiter der Fachgruppe chem. Herstellung von Fasern; 1938 Notar; ab 1940 in Gemeinschaftskanzlei mit Dr. Otto Pott und Dr. Wolf Domke; 1941 und 1942 als beurkundender Notar für mindestens 40 Unternehmensveräußerungen der Haupttreuhandstelle Ost im Wert von 55 Mio. RM tätig; zudem zeitgleich von Mitte 1940 bis Ende Oktober 1942 Referent in der Haupttreuhandstelle Ost Abt. III für Marktordnung und Kartellfragen; ab 1942 erneut als Rechtsanwalt in Berlin tätig; nach Kriegsende 1945 Verbot der Berufsausübung, im Entnazifizierungsverfahren entlastet; ab 15. Juni 1949 Stenograf im Landtag Nordrhein-Westfalen, 1953 Leiter des Stenografischen Dienstes des Bundesrats, 1958 Pensionierung.
Nachweise:
Standesamt Berlin Heiratsurkunde Nr. 425 vom 21. April 1922: Schreibweise des Vornamen: Joseph statt Josef; Heinz Lorenz, Dr. Joseph Kübel im Ruhestand, in: Neue Stenographie Praxis (NStPr), 6. Jg. (1958), H. 3, S. 105 f.; Dr. Josef Kübel 65 Jahre, in: NStPr, 8. Jg. (1960), H. 1, S. 31; In memoriam Dr. Josef Kübel, in: NStPr, 24. Jg. (1976), H. 3, S. 69–70; BArch R9361-I/48031 BDC Personenbezogene Unterlagen der NSDAP; Detlef Peitz: SS-Richter und Parlamentsstenograf Gerhard Herrgesell. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Nomos Verlagsgesellschaft mbH, 2014, Vol. 45, Nr. 1, S. 151. Landesarchiv NRW Abt. Rheinland NW 1002-L/72360 Akten Entnazifizierung Josef Kübel.
Dr. Otto Lampe - Mühlensachverständiger
Wechsel zur TO Gotenhafen im 4. Quartal 1942
Nachweise:
BArch R144/97 Übergabe Lampe an Preibsch: Liste der Mühlensachverständigen mit Stand 23. September 1942.
Erwin Löhlein - Rechtsanwalt und Notar
* 17. April 1904 in Lich, evangelisch, verheiratet, drei Kinder.
Studium der Rechtswissenschaften; 1932 Gründung einer Rechtsanwaltskanzlei in Darmstadt zusammen mit seinem Studienfreund Heinrich von Brentano; ab 1. Oktober 1942 bei der Haupttreuhandstelle Ost angestellt; Nach 1945 Rechtsanwalt und Notar in Darmstadt.
Nachweise: BArch R144/410 HTO-Personalstammblatt 1943; Deutsche Biographie; Helma Brunck: Heinrich von Brentano (1904-1964). In: Bernd Heidenreich, Walter Mühlhausen: Einheit und Freiheit. Hessische Persönlichkeiten und der Weg zur Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2000.

Karl Marder - Bürgermeister Litzmannstadt, Stadtkämmerer, komm. Verwalter, Kriegsverbrecher
* 6. November 1902 in Allenstein.
Studium in Berlin, 1928-1932 Stadtverwaltung Berlin, 1. Mai 1933 Eintritt in die NSDAP, 1934 o. 1935 Eintritt in die SS, 14. Januar 1939 Bürgermeister und Stadtkämmerer von Oppeln, kommissarischer Bürgermeister der Stadt Litzmannstadt 21. Mai 1940 bis 8. Mai 1941, im November 1944 zur Waffen-SS eingerückt.
Mandate 1941/1942:
- Vorsitzender des Vorstands: Litzmannstädter Elektrische Straßenbahn AG, Litzmannstadt
- Vorstand: Elektrizitätswerk Litzmannstadt AG, Litzmannstadt
- Stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats: Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Litzmannstadt mbH, Litzmannstadt
- Aufsichtsrat: Wohnungsbaugesellschaft Wartheland GmbH, Posen
Nachweis:
Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 618.
Dr. Gottfried Matthes - Ministerialrat, Stellvertreter des HTO-Abteilungsleiters Jakob Herle
* 6. April. 1903 in Kolberg; evangelisch, verheiratet, 3 Kinder. Promotion zum Dr. jur.; nach Kriegsbeginn 1939 zunächst Leiter der Wirtschaftsabteilung beim Chef der Zivilverwaltung Litzmannstadt/Łódź; 1942 vom Reichswirtschaftsministerium zur HTO abgeordnet bis 31. März 1943.
Nach 1945: Generaldirektor der Landschaftlichen Brandkasse, Hannover. Vorsitzender des Aufsichtsrats: Braunschweigische Lebensversicherung AG. und Braunschweigische Sachversicherung AG.. Aufsichtsrat: Deutsche Rückversicherung AG., Hamburg; Neue Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG., Mannheim und Hannover; Niedersächsische Heimstätte GmbH., Hannover. Beirat: Institut für Landwirtschaftsrecht der Universität Göttingen; Bau-Kredit-Bank AG., Düsseldorf und Allgemeine Kreditversicherung AG, Mainz. Verwaltungsrat: Hannover Intercontinental Hotels GmbH und Universitätsbund Göttingen e. V.. Mitglied: Präsidium und Präsidialausschuss des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft e. V., Köln; Ausschüsse "Aktienrechtsreform", "Konzernrecht", Presseausschuss des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft e.V., Köln. Versicherungsbeirat beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen, Berlin; Hauptausschuss des Verbandes der Sachversicherer e. V., Köln; Ausschuss des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft e. V., Berlin; Ausschuss des Vereins der Förderer des Instituts für Versicherungswissenschaft an der Universität Köln e. V..
Nachweise:
Barch R144/643 Personalstammblatt 1943 Matthes Gottfried; Hoppenstedt, Leitende Männer der Wirtschaft, 1970, S. 782; NLA HA ZGS 2/1 Nr. 241: Personen des öffentlichen Lebens.
Johann Friedrich Merten - HTO-Abteilungsleiter
* 21. Dezember 1892 in Hochstein bei Kaiserslautern, verheiratet, 1 Kind; 1910 Reifeprüfung an der Oberrealschule St. Johann in Strassburg/Elsass; 1910 Ausbildung zum Bankkaufmann mit Weiterbeschäftigung bei der Rheinischen Creditbank in Straßburg; 1914 Einberufung zum Kriegsdienst; 1915-1917 Aufenthalt in Spital und Lungenheilanstalt; 1916-1932 beschäftigt bei der Deutschen Agrar- und Industriebank für Österreich in Prag, zuletzt als Direktor; 1933 Beamter in Diensten von Vereinigte Finanzkontore GmbH (Verfikon), Berlin; 1934 Direktor der Landwirtschaftlichen Bank AG in Danzig; 1937 Direktor der Cautio Treuhand GmbH; Geschäftsführer der Film-Finanz GmbH, Berlin; AR der Bavaria Film AG; 1. Januar 1937 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 3769508); 1937 Geschäftsführer der Cautio; 1938 Aufsichtsratsvorsitzender der Wien-Film GmbH; 1939 bis März 1943 HTO Leiter der Abteilung II (Kredit- und Versicherungswesen); 1942/43 Geschäftsführer der Bavaria Filmkunst GmbH.
Nachweise:
Rosenkötter: Treuhandpolitik, S. 74, 89; BArch R55/212, Bl. 52-54: Lebenslauf bis 1939; BArch R 9361-II/871385: Parteikorrespondenz; BArch R9361-V/135271, personenbezogene Unterlagen der Reichskulturkammer; Döge: Winkler – Ein treuer Diener, 2022.
Dr. Heinrich Mies - Rechtsanwalt
* 24. Mai 1879, römisch-katholisch, verheiratet, zwei Kinder.
Besuch des Gymnasiums in Köln; 1898 Abitur; 1898-1902 Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn und Berlin; 1903 Referendarprüfung; 1909 Assessorprüfung; 1914-1917 Soldat; Rechtsanwalt; 1933-1938 Mitglied in der SA; 1934 Mitglied im NSV und NS-Rechtswahrerbund; 1. Mai 1937 NSDAP-Mitglied (Mitgliedsnr. 4160805); 1. April 1940 Treuhandstelle Posen; 1. April 1942 Haupttreuhandstelle Ost; 1944 Rechtsanwalt in Posen; 1.1.-1.5.1944 in Posen inhaftiert; 15. September 1944 Aufenthaltsverbot im Wartheland und den übrigen eingegliederten Ostgebiete.
Nachweise:
LAV NW 1002-L 7829: Entnazifizierungsakte Heinrich Mies.

Dr. Edgar Thilo Robert Walter Morgenroth
* 15. April 1902 in Kalbsrieth, Kreis Weimar, † 28. August 1950 in Lindenfels/Odenwald, evangelisch, verheiratet; 1923 Abitur am Reformrealgymnasium zu Halle; Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Halle; 1928 erste juristische Staatsprüfung am Oberlandesgericht zu Naumburg; Jurist/Volkswirt; 1929 Promotion; NSDAP-Mitglied, Abteilungsleiter im Reichsernährungsministerium; 1936-1945 im Reichsnährstand; bei der HTO beschäftigt ab 1. April 1941 in Nebentätigkeit; 1945 Experte beim German Interregional Food Allocation Committee; 1948 Hauptverwaltung Handel und Versorgung, in dreimonatiger Probezeit gekündigt; zuletzt wohnhaft in Frankfurt am Main.
Nachweise:
Morgenroth Edgar: Die Strafgewalt nichtrechtsfähiger Vereine mit besonderer Berücksichtigung studentischer Kooperationen. Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg, Dissertation, 1930; BArch R144/641: HTO-Personalstammblatt Dr. Edgar Morgenroth, 1943, Fotokopie; Standesamt Lindenfels, Standesamtliche Eintragung Todesfall Nr. 52 vom 30. August 1950; BArch Do 1/99306: Personalakte Ministerium des Inneren, sowjetische Besatzungszone.

Kurt Nickisch - Bergwerksdirektor, Treuhänder, kommissarischer Verwalter
* 19. August 1889 in Beuthen, † 9. September 1967 in Hamburg.
Besuch der städtischen Oberrealschule in Beuthen; 1910 Abitur; Bergbaubeflissener auf Gruben des schlesischen Steinkohlen-, Braunkohlen- und Erzbergbaus; 1911-1914 Studium des Bergbaus an der Universität Breslau und der Bergakademie Berlin; August 1914 Bergreferendarprüfung; 1914-1918 Soldat, zuletzt Leutnant; 1919-1921 Referendar; 1921 Bergassessorexamen; Bergassessor im Bergrevieramt Waldenburg-West; 1923 Wechsel zur Bergwerksgesellschaft Georg von Giesches Erben; Leiter und Bergwerksdirektor des Steinkohlebergwerks „Cons. Heinitzgrube" in Beuthen; bevollmächtigter Direktor der Bergverwaltung Georg von Giesches Erben; Generalbevollmächtigter der Gieschebetriebe GmbH; 1939-1945 Treuhänder, kommissarischer Verwalter der Robertgrube; technische Oberleitung der Alt- und Neu-Bleischarley-Gruben, Cleophasgrube, Gieschegrube, Heinitz-Grube; nach Kriegsende 1945 am Wiederaufbau der Betriebe von Georg von Giesches Erben in Westdeutschland beteiligt; Mitgeschäftsführer der Muttergesellschaft und Geschäftsführer mehrerer Tochtergesellschaften; 21. Januar 1960 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine Verdienste um den Bergbau.
Nachweise:
Die Bergbehörden und die ihrer Aufsicht unterstehenden Betriebe im Oberbergamtsbezirk Breslau 1944. S. 80, 101, 112, 150, 162, 164, 166, 204-205. Zeitschrift für Erzbergbau und Metallhüttenwesen, 1960, 13. Jg. 13, S. 149.

August Wilhelm zur Nieden
* 29. August 1878 in Fröndenberg an der Ruhr; 1898 Primareife Goethe-Schule Bochum; 1898–1901 Studium an der Königlichen Technischen Hochschule zu Hannover mit Examen als Dipl.-Ing. Elektrotechnik im Dezember 1901; 1902–1906 Erster Assistent des Betriebsleiters der elektrischen Anlagen der August-Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn (Gewerkschaft Deutscher Kaiser in Bruckhausen); 1907–1910 Betriebsleiter der städtischen Elektrizitätszentrale Kabelstraße; 1910–1918 Direktor der Wasser- und Lichtwerke der Stadt Barmen; 1910–1927 Geschäftsführer der Gemeinschaftswerk Hattingen; 1918–1926 Stadtbaurat und Beigeordneter der Stadt Barmen; 1927–1933 Stadtbaurat und Beigeordneter in Leipzig und Generaldirektor der Stadtwerke Leipzig, Mitarbeiter von Carl Goerdeler; 1934–1935 Mitarbeiter der Reichsgruppe Energiewirtschaft; 1936–1940 Selbstständiger Sachverständiger und Gutachter für den Rechnungshof des Deutschen Reichs in Berlin; 1940–1942 Gruppenleiter bei der Haupttreuhandstelle Ost; 30. Dezember 1943 Zusage auf Übernahme einer leitenden Position im Reichsverkehrsministerium nach einem Regierungswechsel auf Vorschlag Carl Goerdeler; 20. August 1944 Festnahme in dem mecklenburgischen Dorf Marienhof bei Krakow am See; 7. Oktober 1944 Inhaftierung im Strafgefängnis Berlin-Tegel und im Zellengefängnis Lehrter Straße in Berlin; 24.November 1944 Anklage durch den Oberreichsanwalt vor dem Volksgerichtshof; 19. Januar 1945 Zum Tode verurteilt durch den I. Senat des Volksgerichtshofs unter dem Vorsitz von Roland Freisler; † 23.04.1945 Ermordung durch ein SS-Sonderkommando zusammen mit 14 anderen Häftlingen nahe dem Zellengefängnis Lehrter Straße in Berlin.
Nachweis:
Uwe. H. Wehnert: Es gibt wohl Zeiten, die der Irrsinn lenkt. Biographie August Wilhelm zur Nieden. Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Reihe A: Analysen und Darstellungen, Band 17. Herausgegeben von Peter Steinbach und Johannes Tuchel. Berlin: Lukas Verlag 2022.
Bergrat a. D. Max Palm - Bergwerksdirektor, komm. Verwalter
* 23. September 1886 in Thale/Harz.
Mandate 1941/1942:
Leiter und Betriebsführer: Preußische Bergwerks- und Hütten-AG, Zweigniederlassung Steinkohlenbergwerke Hindenburg/Oberschlesien
Aufsichtsrat:
- Hydrierwerke Oberschlesien AG., Blechhammer/Oberschlesien
- Luisekohle GmbH, Berlin
- Luise Schifffahrtsgesellschaft mbH, Breslau
- Metall und Farben AG, Wien
- Oberschlesisches Steinkohlen-Syndikat GmbH, Gleiwitz
Nachweis:
Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 724.
Karl Robert Bruno Pfennig – Leiter der Abteilung Recht und Stellvertreter von Max Winkler
* 31. August 1901 in Berlin-Halensee, † 1962, evangelisch, verheiratet; 1920 Abitur, anschließend Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Berlin; 24. Oktober 1923 erste juristische Staatsprüfung; 22. März 1927 zweite juristische Staatsprüfung; 1922-1927 zunächst Leiter der Rechtsabteilung bei der Deutscher Überseedienst GmbH, dann bei der Auslandsverlag GmbH; kurze richterliche Tätigkeit; 1927–1931 Leiter Vorstandssekretariat UFA; 1931–1933 Landgerichtsrat, Richter am Amtsgericht Schöneberg; 1. Mai 1933 NSDAP-Mitglied (Nr. 2645139); 1933 Mitarbeiter Reichsfilmkammer, dort zuständig für Rechts- und Haushaltsangelegenheiten; Rechtsberater von Max Winkler; u.a. Mitarbeiter bei Cautio Treuhand GmbH, Geschäftsführer Universum Film AG; 1939–1945 Leiter der Abteilung Recht der HTO, Stellvertreter von Max Winkler nach dem Tod von Krahmer-Möllenberg; 1940 Mitgeschäftsführer der Cautio; 1942 Vorstandsvorsitzender der Universum-Film GmbH (Dach- und Führungsgesellschaft der verstaatlichten Filmindustrie), Mitgeschäftsführer der Wien-Film, Vorstandsmitglied der Universum-Film AG; 1943 nach Schwarzmarkgeschäften in Prag 1941/42 auf Anweisung Goebbels aus der Filmbranche ausgeschieden; nach Kriegsende in Bückeburg/Niedersachsen mit 15 Mitarbeitenden der HTO; am 10. Dezember 1945 von den britischen Alliierten interniert, am 10. August 1946 entlassen; Ende 1947 vom Entnazifizierungs-Hauptausschuss Hannover in der Kategorie IV „nomineller Unterstützer“ eingestuft; 1949 eingestuft in Kategorie V „Entlastete“; Rechtsanwalt in Bückeburg und Hannover; 1950 Rechtsanwalt in Hamburg.
Nachweise:
LAB, Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Geburtsregister Nr. 618 vom 2. September 1901; LAB, Standesamt Berlin-Steglitz, Heiratsregister Nr. 146 vom 11. März 1935; Dingell, Treuhandstelle Posen, S. 85; Rosenkötter, Treuhandpolitik, S. 74; BArch R55/212, Bl. 55 f.: Lebenslauf bis 1938; BArch R9361-I/2643: Fragebogen parteistatistische Erhebung 1939; Döge: Winkler - Ein treuer Diener, 2022.
Oswald Ludwig Pohl - SS-Gruppenführer, komm. Verwalter, Kriegsverbrecher
* 30. Juni 1892 in Duisburg, verheiratet, mehrere Kinder, † 7. Juni 1951 nach Todesurteil hingerichtet in Landsberg.
1912 Abitur, 1912-1934 Verwaltungslaufbahn bei der kaiserlichen Marine, 1922 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 30.842), 1933 Stadtverordneter in Kiel, 9. September 1933 SS-Standartenführer, 1934 SS-Hauptamt, zuletzt Verwaltungschef, SS-Oberführer, 1935 SS-Brigadeführer, 1936 Kirchenaustritt, 1937 SS-Gruppenführer, 1938 Leiter der SS-Produktionsbetriebe, 1939 Verwaltungschef des SS-Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft, 29.11.1939 durch die Haupttreuhandstelle Ost als Generaltreuhänder für alle Ziegeleien in den eingegliederten Ostgebieten eingesetzt; 20. April 1942 SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, ab 1. Februar 1942 Leitung des SS-Wirtschafts-Verwaltung-Hauptamtes, damit auch der Inspektion der Konzentrationslager, 1943 Gründung der Ostindustrie GmbH in Lublin. Mitglied im Freundeskreis Reichsführer SS. Verwaltungsleitung Lebensborn e.V..
Mandate 1941/1942:
- Vorsitzender des Verwaltungsrats des Deutschen Roten Kreuzes 1938
- Geschäftsführer: Deutsche Wirtschaftsbetriebe GmbH, Berlin
- Vorsitzender des Aufsichtsrats: Deutsche Ansiedlungsgesellschaft, Berlin
- Aufsichtsrat: Christoph & Unmack AG, Niesky/Oberlausitz (Holzbauwerk mit Schwerpunkt Barackenbau für Konzentrations-, Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager).
Oswald Pohl wurde im Nürnberger Nachfolgeprozess Fall IV gegen das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verschwörung zur Begehung von Kriegsverbrechen am 3. November 1947 zum Tod verurteilt und am 7. Juni 1941 hingerichtet.
Nachweis:
Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/16031484. Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 751. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Hamburg: Nikol Verlagsgesellschaft mbH, 2. Auflage 2016, S. 467.
Eugen Polzin - Rechtsanwalt
* 10. November 1905 in Frankfurt/Oder, katholisch, verheiratet; 1918 Reifeprüfung; 1930 Referendarprüfung; 1934 Assessorprüfung; 1935 Zulassung als Rechtsanwalt am Kammergericht Berlin; 1938 Verurteilung zu sechs Monaten Gefängnis wegen Vergehens gegen § 1 Heimtückegesetz, Vertretungsverbot als Rechtsanwalt; 1941 Mitarbeiter der HTO; 1942 Zulassung am Kammergericht gelöscht, dauerhaftes Berufsverbot; 1943 zum Tode verurteilt und am 15. April 1943 in Plötzensee enthauptet.
Nachweise:
BArch R3001/71040: Personalakte Reichsjustizministerium; LAB Berlin-Charlottenburg Sterberegister, Nr. 1971 C, 1943.

Dr. Hubert Preibsch - Jurist
* 2. November 1892 in Johannesthal (heute Janov/Tschechien), † 25. August 1959 in Neuhofen an der Krems/Österreich, ursprünglich römisch-katholischen Glaubens, ab 1943 ohne religiöses Bekenntnis, verheiratet, zwei Kinder; Reifeprüfung am Gymnasium in Mährisch Schönberg (heute Šumperk/Tschechien); 1912–1914 Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien; Freiwilliger zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, Oberleutnant der Reserve; Fortsetzung des Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck; 1919 Promotion zum Dr. jur.; 1919–1920 Gerichtspraktikant; 1921 Rechtsanwaltsanwärter in Šumperk; 1921–1938 Kanzleileiter der „Organisation der deutschen Landwirte Mährens“; 1935 Landesausschussbeisitzer der „Sudetendeutschen Partei“; 1938/39 Oberstarbeiterführer des Gaus 38 Ostsudeten; 1939/40 Landesvizepräsident für Böhmen; am 4. Dezember 1938 als Mitglied der NSDAP in den Deutschen Reichstag gewählt; 1. August 1940 bis Kriegsende Referent der Haupttreuhandstelle Ost; Ehrenbürger der Stadt Bärn (heute Moravský Beroun/Tschechien).
Nachweise:
BArch R144/641: HTO-Stammblatt Dr. Hubert Preibsch, 1943, Fotokopie, Uni Graz: Lebenslauf Hubert Preibsch https://agso.uni-graz.at/spannkreis/biografien/p/preibsch_hubert.html (Download 01.11.2025); BArch R144/82 HTO-interne Mitteilung vom 5. August 1942 über u. k. gestellte Mitarbeiter.
Dr. Erwin Reetz – Leiter der Sonderabteilung Altreich
* 29. April 1896 in Berlin, † 1. Dezember 1945 in Flensburg, evangelisch; Dr. jur.; Major; 1. März 1937 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 3908964); ab 1937 Geschäftsführer der Vera Verlagsanstalt GmbH und der Deutsche Lichtspielbau GmbH, beide in Berlin; Aufsichtsrat der Buchgewerbehaus GmbH in Saarbrücken, der Deutsche Verlagsanstalt GmbH in Stuttgart, der Leipziger Verlags-Druckerei GmbH und des Zeitungsverlag GmbH in Bielefeld; Leiter der HTO-Sonderabteilung Altreich; Persönlicher Referent von Max Winkler; Mai–Dez. 1940 GF der Grundstücksgesellschaft der Haupttreuhandstelle mbH.
Nachweise:
BArch R9361-I/2800: Fragebogen parteistatistische Erhebung 1939; Meinl, Legalisierter Raub, S. 516; Heinz-Dietrich Fischer: Deutsche Zeitungen des 17.–20. Jahrhunderts, S. 69.
Horst Alfons Rittershofer - Buch- und Kunsthändler, Auktionator
* 17. September 1893, evangelisch, verheiratet, keine Kinder; Kaufmann; Oberleutnant a. D.; Auktionator und Buch- und Kunsthändler in Berlin; 1922-31 Angestellter des in jüdischem Eigentum befindlichen Auktionshauses Max Perl; 1936 alleiniger Eigentümer; mehrfache Versteigerung von Einzelgemälden und Sammlungen aus jüdischem Eigentum (u.a. Sammlung Berolzheimer), in mind. einem Fall durch Beschlagnahme durch Gestapo verhindert [2]; ab 16. August 1940 bei der HTO beschäftigt; 1949 Rückerstattungsantrag des Auktionshauses von seinem jüdischem Vorbesitzer Siegmund Kaznelson; 1979 noch aktiv
Nachweise:
BArch R144/641: HTO-Stammblatt Alfons Rittershoffer, 1943, Fotokopie. Vgl. auch: Datenbank Provenienzforschung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste; BArch R144/82 HTO-interne Mitteilung vom 5. August 1942 über u. k. gestellte Mitarbeiter; Auktion 188 der Sammlung Littmann am 26.-28.2.1935: 63 Gemälde wurden von der Gestapo aufgrund von „kulturbolschewistischen Tendenzen“ beschlagnahmt und mit Ausnahme von 5 Gemälden und 16 Aquarellen verbrannt.
Johannes Robert - Generaldirektor, komm. Verwalter
* 5. Dezember 1882 in Berlin.
Mandate 1941/1942:
Vorstand: Schlesische Bergwerks- und Hütten-AG, Beuthen
Komm. Verwalter: Schlesische AG für Bergbau und Zinkhüttenbetrieb, Kattowitz/Oberschlesien
Vorsitzender des Aufsichtsrats: Oberschlesisches Steinkohlensyndikat GmbH, Berlin
Aufsichtsrat:
- Lignose Sprengstoffwerke GmbH, Berlin
- „Ostholz“ Ostdeutsche Holzverwertungs-AG, Beuthen/Oberschlesien
- „Sachtleben“ AG für Bergbau und chemische Industrie, Köln
Vorsitzender:
- Verband für Halbzeug aus Zinklegierungen, Berlin
- Zinkwalzwerkverband mbH, Berlin
Nachweis:
Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 808.

Maximilian Sabass - Bergwerksdirektor, kommissarischer Verwalter, Treuhänder
* 31. Oktober 1874 in Rosdzin, Kreis Kattowitz, † 13. April 1946 in Bad Dürrenberg, verheiratet, drei Kinder.
1885-1893 Gymnasium in Kattowitz; Studium des Eisenhüttenwesen an der Bergakademie Berlin; März 1897 Diplomexamen als Eisenhütteningenieur; Mitglied im Verein Deutscher Eisenhüttenleute.
1898 Berufsstart bei der Vereinigte Königs- und Laurahütte als Betriebsingenieur; 1908 technischer Assistent der Oberhüttendirektion in Königshütte; 1912 Oberingenieur; 1913 bis August 1914 persönlicher Mitarbeiter von
Ewald Hilger (1859-1934), dem Generaldirektor der Generaldirektion der Vereinigten Königs- und Laurahütte AG in Berlin; September 1914 bis September 1917 Soldat, zuletzt Major; 1917 Beauftragter der Kriegsrohstoffabteilung in Kattowitz; 1919-1922 Betriebsdirektor der Laurahütte;
1922-1934 Kattowitzer Aktiengesellschaft für Bergbau und Eisenhüttenbetrieb, Aufstieg bis zum Oberhüttendirektor.
1922 polnischer Staatsbürger; 1922-1930 Mitglied im Schlesischen Seym (Parlament der zweiten polnischen Republik), zeitweilig Leiter der Fraktion der deutschen Minderheit.
Mitglied in mehreren Aufsichtsräten oberschlesischer Unternehmen; ab 8. September 1939 Treuhänder und kommissarischer Verwalter für alle Gruben und Hütten im Dombrowaer Revier; 1941/42 Aufsichtsrat der Oberschlesischen Steinkohlesyndikat GmbH; ab 1940 zeitgleich Prokurist und Bergwerksdirektor der Bergwerksverwaltung Oberschlesien GmbH der Reichswerke „Hermann Göring".
Nachweise:
Bild Sabass, 1925: Lizenz CC0 1.0; BArch R144/112 Bestallungsurkunde Sabass vom 3. November 1942; Röhr, Schwerindustrie im annektierten Oberschlesien, S. 24. Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 834. Stefan Pioskowik: Max Sabass. Deutscher Industrieller und Politiker. Teil I und II. Racibórz: Oberschlesische Stimme, 2025, Nr. 4 (538), S.12 f. und Nr. 5 (539), S. 12 f.

Hanns-Joachim Scharff - Unternehmer, Mosaikkünstler
* 16. Dezember 1907 in Rastenburg (Ketrzyn), Ostpreußen (Polen), † 10. September 1992 in Bear Valley Springs, Kern County, Kalifornien, USA, gottgläubig, verheiratet mit der Britin Margaret Stokes, drei Kinder; aufgewachsen in Greiz und Leipzig; vielfach ausgebildet im Textilunternehmen seines Vaters in Greiz; 1929-1939 tätig im Auslandsbüro der Adlerwerke in Johannesburg; 1939 nach Kriegsausbruch in Deutschland gestrandet; 15. Oktober 1940-1943 Mitarbeiter der Haupttreuhandstelle Ost; 1943-1945 Vernehmer von amerikanischen Kampfpiloten bei der Auswertestelle West der Luftwaffe mit Dienstrang Obergefreiter; 1948 Einwanderung in die USA; tätig als Mosaik-Künstler ab den 1950er Jahren bis zu seinem Tod.
Nachweise:
Meinl, Legalisierter Raub, S. 516; BArch R144/641: HTO-Personalstammblatt 1943 Scharff; Toliver; Raymund F.: Interrogator: The Story of Hanns Joachim Scharff, Master Interrogator of the Luftwaffe, Atglen, Pennsylvania; USA: Schiffer Publishing, 1997.
Franz Paul Springborn - Büroleiter, Referent
* 20. September 1903 in Neuburg a. d. Donau, † 15. Dezember 1979 in Berlin-Lankwitz, römisch-katholisch, verheiratet, drei Kinder; Spediteur; ab 16. September 1940 bei der Haupttreuhandstelle Ost beschäftigt.
Nachweise:
BArch R144/642: HTO-Personalstammblatt 1943 Springborn; Heiratsregister Stadt Schneidemühl, Nr. B 52, 5. Mai 1924.
Werner Tessmar - Bergrat, kommissarischer Verwalter
* 1. September 1884 in Köln, † 1. Mai 1945 in Friesack/Mark, beerdigt in Trier, evangelisch, verheiratet, keine Kinder; 1903 Reifeprüfung am Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel; 1910 Bergreferendar; 1912 Bergassessor; Hauptmann der Reserve; 1933 Abgeordneter zur 42. Rheinischen Provinzialsynode; Mitglied der NSDAP; Bergrat; ab 25. Oktober 1940 bei der Haupttreuhandstelle Ost beschäftigt; 1941 Gruppenleiter bei der Haupttreuhandstelle Ost und kommissarischer Verwalter; gestorben am 1. Mai 1945, dem Tag des Einmarschs der russischen Alliierten in Friesack.
Nachweise:
BArch R 9361-II/1010327 BDC Unterlagen NSDAP; BArch R144/642: HTO-Personalstammblatt 1943 Tessmar; Standesamt Saarbrücken, Heiratsurkunde Nr. 135 vom 14. Juni 1913; Öffentlicher Anzeiger Kattowitz Stück 29 vom 19. Juli 1941, S. 207 f. Nr. 2012, 2014 und 2019: kommissarischer Verwalter; GStA I. HA Rep. 228, Nr. 1635: biografische Angaben zu Werner Tessmar, Rotary Wochenbericht Nr. 39 (217) vom 6. Mai 1935; BArch R144/82 HTO-interne Mitteilung vom 5. August 1942 über u. k. gestellte Mitarbeiter.
Ladislaus Franz Trenczak - Bergingenieur, kommissarischer Verwalter
* 1888, Dipl.-Ing., als kommissarischer Verwalter der Haupttreuhandstelle Ost eingesetzt, nach 1945 Erfinder mit mehreren Patenten in der Bergbauindustrie, auch tätig als UN-Bergbauexperte in Pakistan.
Ferdinand Voigt - Rechtsanwalt
* 11. April 1904, verheiratet, drei Kinder.
Hauptreferent in der Rechtsabteilung der TO Posen; ab 1. Januar 1942 bei der Haupttreuhandstelle Ost beschäftigt.
Nachweise:
BArch R144/82 HTO-interne Mitteilung vom 5. August 1942 über u. k. gestellte Mitarbeiter.
Dr. Dr. Alfons Wagner - Generaldirektor, komm. Verwalter
* 27 August 1890 in Zgierz, † 18. Mai 1978 in Aschau im Chiemgau, verheiratet, zwei Kinder.
1910 Studium des Hüttenwesens an der TH Stuttgart; Promotionen zum Dr.-Ing. und Dr. mont.; Direktor der Oberschlesischen Hüttenwerke in Gleiwitz; Wehrwirtschaftsführer.
Mandate 1941/1942:
Vorsitzender des Vorstands: Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG, Gleiwitz
Vorsitzender des Gewerkschaftsvorstands: Payerbacher Eisengewerkschaft, Payerbach/Niederdonau
Gewerkschaftsvorstand: Pittener Eisengewerkschaft in Pitten
Vorsitzender des Aufsichtsrats:
- Bergfreiheitgrube GmbH, Schmiedeberg/Riesengebirge
- Presswerk Laband GmbH, Gleiwitz
Aufsichtsrat:
- Deutsche Arkady-GmbH, Hannover
- Hochofenwerk Lübeck AG, Lübeck-Herrenwyk
- Kokerei-Vereinigung GmbH, Berlin
- Saar-Metall werke GmbH, Saarbrücken
- Stahlwerks-Verband AG, Düsseldorf
Vorsitzender des Beirats:
- Schlesische Montan-GmbH, Breslau
- Silesiastahl GmbH, Gleiwitz
Mitgliedschaft: Schlesischer Beirat der Deutschen Bank, Berlin
Nach Kriegsende 1945 Honorarprofessor für Metallurgie an der TH München, Aufsichtsrat der Daimler-Benz AG und der Maximilianshütte; Oktober 1961 bis August 1962 Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Motoren-Werke AG.
In der Volksrepublik Polen stand Alfons Wagner auf der Kriegsverbrecherliste.
Nachweis:
Hoppenstedt: Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung einschließlich Adressbuch der Direktoren 1941/1942. Berlin 1942, S. 1048.
Paul Weilbächer - Sachbearbeiter in Abt. III Industrie
* 23. Mai 1897, verheiratet, zwei Kinder.
Ab 23. Oktober 1941 bei der Haupttreuhandstelle Ost beschäftigt.
Nachweise:
BArch R144/642 HTO-Personalstammblatt 1943 Weilbächer.
Dr. Heinrich Weiß
* 2. März 1892; Leutnant der Reserve a. D.
Nachweise:
BArch R144/82 HTO-interne Mitteilung vom 5. August 1942 über u. k. gestellte Mitarbeiter.
Dr. Paul Weßler
* 2. Februar 1901 in Berlin, † 1990 in Hamburg-Wandsbeck, verheiratet; Beauftragter für die Wirtschaftsgruppe Zuckerindustrie für den Reichsgau Wartheland; GF und stellv. Vorsitzender des Zucker-Wirtschaftsverbandes in Posen; Hauptreferent Treuhandstelle Posen; 1941-1942 Referent der HTO.
Nachweis:
LAB, Geburtsregister Standesamt Berlin, 1901, Nr. 526; Dingell, Treuhandstelle Posen, S. 160.

Max Winkler – Leiter der Haupttreuhandstelle Ost
* 7. September 1875 in Karrasch/Landkreis Rosenberg in Westpreußen; † 12. Oktober 1961 in Düsseldorf, evangelisch, verheiratet, kinderlos; Volksschule; Ausbildung auf einer Postfachschule; 1891 Postgehilfe; Dezember 1895 Postassistent; 1905 Telegraphensekretär; 1907 Stadtverordneter; 1914 Stadtrat; 1919-1920 Zweiter Bürgermeister von Graudenz; Gründungsmitglied der DDP; 1919-1920 Abgeordneter der Preußischen Landesversammlung für die DDP; Teilnahme an den Beratungen zum Versailler Friedensvertrag; 1920 Mitbegründer der Deutschen Stiftung; Gründung oder Kauf zahlreicher Firmen wie die Konkordia Literarische Gesellschaft, Zeitungsbedarf GmbH, Holländische Buitenland Bank N.V., Cura, Ossa, Cau-tio, Rheinische Verlagsanstalt, Chiron, u.a. zur Abwicklung von (getarnten) Finanzgeschäften mit Steuerung über Treuhänder zur Verschleierung des Finanzgebers Deutsches Reich; 1929 Dr. rer. tech. h. c. der TH Danzig; ab 1933 Übernahme der Zeitungen der SPD und der KPD, Aufbau von Zeitungs- und Filmimperium zur maßgeblichen Kontrolle durch die NSDAP; 1. Mai 1937 Mitglied der NSDAP; ab 1937 Reichsbeauftragter für die deutsche Filmwirtschaft; 1939-1945 Leiter der HTO; 18. April 1945 Flucht von Berlin nach Flensburg über die »Rattenlinie Nord«; 10. August 1945 Verhaftung durch britisches Militär, anschließend Internierung in Neuengamme und Bad Nenndorf; Verhöre durch den Geheimdienst der britischen Armee; Field Security Section (FSS); im Juli 1946 als Kriegsverbrecher im UNWCC-Index der Kriegsverbrecher gelistet; Januar 1947 Entlassung aus dem Lager Fallingbostel; von den Briten in Kategorie III „minderbelastet“ eingestuft; danach Abwickler von Finanzgeschäften für die Industrie; August 1949 im Entnazifizierungsverfahren von der Spruchkammer in Lüneburg in Kategorie V als „Unbelasteter“ eingestuft; Ende 1949 Umzug von Suderburg bei Uelzen nach Düsseldorf; ab 1950 Eigentümer der Kultur- und Wirtschaftsfilm GmbH in Düsseldorf (Herstellung von Industriefilmen) und Leiter der Düsseldorfer Niederlassung der Essen-Finanz Wolfgang Essen KG mit Hauptsitz in Hamburg.
Nachweise:
UNWCC (Reel 39) Alphabetical Index Lists of War Criminals No 1- 40 - July 1946 - Vol. 1 S-Z S. 235; Dingell, Treuhandstelle Posen, S. 79-81; Klee, Personenlexikon Drittes Reich, S. 679; Meinl, Legalisierter Raub, S. 507 f.; Döge: Winkler - Ein treuer Diener, 2022.
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Dr. Gerhard Woitschell
* 24. März 1910 in Berlin; † 9. November 1969 in Wiesbaden, evangelisch, verheiratet, keine Kinder. Reifeprüfung am Humanistischen Gymnasium in Berlin, Studium der Volkswirtschaft, Diplom-Volkswirt; Promotion zum Dr. rer. pol.; 1926/27 Mitglied des Jungdeutschen Ordens; 1928 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 88 769); 1935–1938 Ortsgruppenleiter in Berlin-Wedding; Träger des Goldenen Parteiabzeichens; Obersturmführer im NSKK1934/35 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Deutschen Arbeitsfront; 1935–1940 GF des Reichsinnungsverbandes des Buchdruckerhandwerks, später der Fachgruppe Buchdruck in der Wirtschaftsgruppe Druck und Papierverarbeitung; ab 1. Juni 1940 Sachbearbeiter in der Haupttreuhandstelle Ost; 1941 bis 1945 Soldat im Zweiten Weltkrieg; 1945–1948 Bauhilfsarbeiter; 1949–1950 Vertreter; 1950 Spirituosengroßhändler in Wiesbaden; 1949/1950 Mitglied der hessischen NPD; 1959–1965 Mitglied der Deutschen Reichspartei (DRP); ab 1964 Mitglied der NPD und erster stellv. Landesvorsitzender in Hessen; 1966–1969 Mitglied des Hessischen Landtags, stellv. Vorsitzender der NPD-Landtagsfraktion; 1969 Mitglied der 5. Bundesversammlung.
Nachweise:
„Woitschell, Gerhard“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/127595481> (Stand: 24.7.2020); BArch R144/642: HTO-Personalstammblatt 1943 Woitschell.

Dr. Peter Graf Yorck von Wartenburg - Rechtsanwalt
* 13. November 1904 auf Gut Klein Öls, Landkreis Ohlau, Schlesien, † 8. August 1944, evangelisch, verheiratet, keine Kinder.
1923 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn und Breslau; 1926 Referendarexamen; 1927 Promotion; 1930 Assessorexamen; 1938 Oberregierungsrat; Weigerung, Mitglied der NSDAP zu werden; ab 1. November 1942 bei der Haupttreuhandstelle Ost in Nebentätigkeit beschäftigt; am 8. August 1944 n Berlin-Plötzensee hingerichtet nach Todesurteil durch den Volksgerichtshof am 8. August 1944 wegen Befürwortung des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944.
Nachweise:
Bild: BArch, Bild 151-02-12 / CC-BY-SA 3.0; BArch R144/642: HTO-Personalstammblatt 1943 Yorck von Wartenburg.
